"Die Löwin Irans": Dichterin Simin Behbahani ist tot

Mit Simin Behbahani ist eine wichtige Stimme der iranischen Literatur verstummt. Die weltweit gefeierte Lyrikerin wurde mehrfach für den Literaturnobelpreis gehandelt. Behbahani starb am Dienstag.

Simin Behbahani fand stets klare Worte. In ihren Gedichten beschäftigte sie sich mit den Herausforderungen der Islamischen Revolution von 1979 und setzte sich für Frauenrechte ein. Sie war bekennende Gegnerin der Todesstrafe. Als Vorsitzende des iranischen Schriftstellerverbands war sie eine wichtige Figur im kulturellen Leben des Landes. Die 87-Jährige starb Dienstagmorgen in einem Teheraner Krankenhaus an Herzversagen.

Simin Behbahani wurde am 20. Juli 1927 in Teheran geboren und stammt aus einer Literatenfamilie. Sie ist Tochter des Poeten Abbas Chalili, der die Zeitung "Eghdam" herausgab, und der Dichterin und Feministin Fachr-e Osma Arghun. Bereits als Teenagerin begann Behbahani Ghazele zu schreiben - eine Gedichtform, die bereits in vorislamischer Zeit entstanden ist und besonders im persisch-sprachigen Raum beliebt ist. Ghazele sind Liebesgedichte, die dem europäischen Sonett ähneln und traditionell von Frauen handeln. Behbahani vertauschte die Rollen und schrieb Gedichte über Männer. Indem sie Alltagsgeschehnisse und Gespräche in ihre Gedichte einbaute, schaffte sie einen eigenen Stil, der sie berühmt machte. Ihre Texte wurden oft von iranischen Sängern rezitiert.

In den Fünfzigerjahren studierte Behbahani Jura an der Universität in Teheran. Zunehmend behandelte sie in ihren Gedichten Probleme aus dem iranischen Alltag, deren Benennung politisch brisant war. "Ich habe mich immer sozialen Themen verpflichtet gefühlt. Sogar vor dem Aufkeimen der Revolution, denn auch unter dem Schah litt ich", sagte sie 2006 gegenüber der Washington Post im Bezug auf die Islamische Revolution von 1979, "Es gab keine Demokratie in Iran. Sogar damals wurde zensiert."

1999 wurde Simin Behbahani für ihren Kampf um Meinungsfreiheit in Iran mit der Carl-von-Ossietzky-Medaille ausgezeichnet. Ihre klaren Worte brachten ihr den Titel als "Löwin des Irans" ein. "Behbahanis Werke sind genauso ausdrucksstark wie klassische Werke, trotzdem hat sie eine Sprache gefunden, die nicht schwer zu verstehen ist!", beschreibt Said Hamidian, Literaturprofessor an der Teheraner Universität, ihren Stil.

Mit Gedichten für die Frauenrechte

2009 wurde sie mit dem Simone-de-Beauvoir-Preis für die Freiheit der Frauen ausgezeichnet. Immer wieder stieß sie mit ihren Meinungsäußerungen allerdings an Grenzen. 2006 sei ein Oppositionsblatt geschlossen worden, weil es eines ihrer Gedichte gedruckt hatte, berichtete ein damaliger Redakteur. 2010 hinderten die iranischen Behörden sie daran, an einer Veranstaltung zum internationalen Frauentag in Paris teilzunehmen. In einem Video bezeichnete US-Präsident Barack Obama sie 2011 deshalb als Frau, die Iran zwar nicht verlassen könne, "deren Worte aber die Welt bewegten".

Simin Behbahani wurde zweimal als Kandidatin für den Literaturnobelpreis gehandelt. Obwohl sie im Alter nur noch ein eingeschränktes Sehvermögen hatte, schrieb sie weiterhin Gedichte. Ein ins Deutsche übersetzter Gedichtband heißt "Jenseits von Worten".

Trotz ihrer Kritik an Iran lag Behbahani ihr Heimatland am Herzen. "Sie liebte den Iran und obwohl sie mehrmals die Möglichkeit gehabt hätte im Ausland zu wohnen, blieb sie", sagte ein Freund und Herausgeber einer ihrer Gedichtbände, Ali Dehbaschi. "Sie war dem Land verbunden und ihre größte Angst war es, im Ausland zu sterben."

Spiegel online 22.08.2014