"Es ist wichtig sich, treu zu bleiben." - Ein Porträt der Künstlerin und Filmemacherin Mania Akbari

Mania Akbari war früher Schauspielerin. HIer ist sie mit dem iranischen Regisseur Abbas Kiarostami bei den Filmfestspielen in Cannes. (picture alliance / dpa / Foto: epa afp Laban-Mattei)

Eine Kämpferin ist Mania Akbari, wie viele andere Frauen aus dem Iran. Als Filmemacherin und Künstlerin hat sie sich mit Tabuthemen wie Homosexualität, Scheidung und Untreue in ihrem Land auseinandergesetzt. Heute lebt sie in London.

"Es war nicht einfach, als Frau in einem Land wie dem Iran zu arbeiten, in dem Religion, Tradition und Glaubenssätze dominieren. Ich war ständig mit Ärger und Angst konfrontiert."

Mania Akbari, die 39-jährige Filmemacherin und Künstlerin aus Teheran, lebt nun seit Anfang 2012 im Exil in London. Sie ist zierlich, trägt kurze, rot gefärbte Haare, und ihre großen mandelförmigen braunen Augen strahlen Ruhe aus. Sie wirkt geerdet trotz ihrer kämpferischen Natur. 

"Ich war mitten in Dreharbeiten eines 90-minütigen Films mit dem ursprünglichen Titel: ´Women Do Not Have Breasts`, als einige meiner Crewmitglieder plötzlich verhaftet wurden. Mich hat die Panik erfasst. Ich habe um meine Sicherheit gefürchtet. Deshalb habe ich die Dreharbeiten sofort abgebrochen und das Land verlassen."

Zusammen mit ihrem Sohn in London angekommen, fängt Mania Akbari an, das im Iran gedrehte Material zu schneiden. Aus Sicherheitsgründen entscheidet sie sich für ein paar bestimmte Filmsequenzen. Daraus entsteht dann ein 45-minütiger Film mit einem neuen Titel: "From Tehran to London“.

In diesem Film schildert sie die Schwierigkeiten in einer Beziehung zwischen Mann und Frau in der iranischen Gesellschaft. Und sie veranschaulicht mit einem scharfen provokativen Blick den Umgang mit Abtreibung. Ein Tabuthema im Iran. In all ihren Arbeiten stellt Mania Akbari die gesellschaftlichen Normen und Werte in Frage. Das hat auch ihre Arbeit im Iran erschwert.

"Leider habe ich nie eine Drehgenehmigung von der Zensurbehörde bekommen. Und ich habe nie finanzielle Hilfe oder staatliche Förderungen erhalten. Ich musste andauernd neue Wege finden um meine Filme zu drehen – das alles selbstständig. Damals war das politische System Irans unberechenbar und manipulativ. Ich sehe mich nicht als eine politische Aktivistin, sondern als eine Künstlerin, die auf der Suche nach dem Sinn des Lebens ist."

Am Liebsten erzählt sie Geschichten

In einer Lehrerfamilie in Teheran geboren, ist Mania Akbari schon als Jugendliche in die Welt der Malerei eingestiegen. In ihren Zwanzigern malt sie viele Bilder und experimentiert mit den figurativen und abstrakten Darstellungen. Aber am Liebsten erzählt sie Geschichten, das bringt sie zum Film. Sie arbeitet zuerst als Regie-Assistentin. Und ohne eine schauspielerische Ausbildung absolviert zu haben, debütiert sie in dem Film "Zehn" des iranischen Altmeisters Abbas Kiarostami in der Hauptrolle. Danach beginnt Mania Akbari ihre filmische Laufbahn als Filmemacherin.

"Der dokumentarische Film-Realismus hat mich immer fasziniert. Und alle meine Arbeiten beruhen auch auf Erlebtem und Realem aus dem Alltag."

Im Jahr 2004 entstand Akbaris erster Spielfilm "20 Fingers", der sich mit Konflikten und Problemen in einer Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau auseinandersetzt. Und hier greift sie Themen wie Untreue in der Beziehung und Homosexualität bei Frauen auf.

"Die Homosexualität ist ein natürliches Phänomen. Das wird aber leider im Iran immer noch gesellschaftlich tabuisiert. Und die Schwulen und Lesben müssen sich aufgrund der strengen religiösen Vorschriften und staatlichen Überwachung verstecken."

Obwohl der Film ein internationaler Erfolg war, wurde er nie im Iran gezeigt. Vor sieben Jahren ereilte Mania Akbari ein schwerer Schicksalsschlag. Sie hatte Brustkrebs. Unmittelbar nach dem Befund wird sie operiert, und ihr werden beide Brüste amputiert. Diese schmerzhafte Erfahrung thematisiert sie in ihrem zweiten Spielfilm „10+4“.

"Es sollte ein Film über mein Leben mit Krebs werden. Für mich war diese Krankheit eine Konfrontation mit Leben und Tod. Und hier spielte die Kunst eine große Rolle für mich – als eine Art ´therapeutische Unterstützung`. Ich habe nicht nur die Hauptrolle übernommen, sondern auch Regie geführt. Dieser Film hat mich während der gesamten Chemotherapie begleitet. Für mich war dieser Film ein Anreiz, wieder gesund zu werden. Ich betrachtete es als eine Aufgabe, die ich zu Ende führen wollte."

Die Rolle der Frau in der Gesellschaft

Weder Krebs noch Repressionen haben Mania Akbari davon abbringen können, weiter zu arbeiten. Zwischen 2007 und 2010 setzte sie sich mit der Kunstfotografie auseinander. In ihren großformatigen Fotoarbeiten zeigt sie vorwiegend verfremdete Selbstporträts und thematisiert insbesondere die Identität und Rolle der Frau in der Gesellschaft. Im Jahr 2011 drehte sie ihren dritten Spielfilm.

"Der Film ´1.2.1` handelt von der Geschichte einer sehr schönen Frau, deren Gesicht infolge eines Unfalls zur Hälfte entstellt wurde. Der Film erzählt von ihrer Stärke und ihrem Willen, mit dieser Verstümmelung weiterzuleben."

Mania Akbari hat mit ihrem radikalen Denken, das sie in ihren Arbeiten widerspiegelt, den Zorn der Zensurbehörde auf sich gezogen. Dadurch war sie ständigen Gefahren ausgesetzt. Ihre Arbeiten wurden für Protest-Kunst gehalten. Auch in ihrem Londoner Exil hat sie ihre radikalen künstlerischen Arbeiten fortgesetzt. Vor zwei Jahren erschien ihr erstes Buch – eine Sammlung von Kurzgeschichten, die von ihrem Leben in London und ihrer Heimatstadt Teheran erzählen.

"Es ist wichtig sich, treu zu bleiben. Damit meine ich, dass ich gegen die Spielregeln der Zensurbehörde gearbeitet habe – uneingeschränkt und tabulos. Ich hatte ständig Angst gehabt, dennoch wollte ich exakt das zum Ausdruck bringen, was ich gedacht und gefühlt habe. Darum basieren meine Arbeiten auf Aufrichtigkeit und Transparenz."

Deutschlandradio Kultur (Von Ferial Kasmai)