Frauen zwischen Bildungund und Beruf im Mittelpunkt

Iranisches kulturzentrum Rahaward organisiert zum Internationalen Frauentag
am kommenden samstag eine prominent besetzte Podiumsdiskussion. Die
situation der Frauen im Iran, in afghanistan und Deutschland wird beleuchtet.

Aachen. Als der Internationale Frauentag am 8. März 1911 erstmals stattfand, kämpften die Frauen für ein Frauenwahlrecht und für Gleichheit. Seitdem steht der 8. März für Emanzipation und Selbstverwirklichung. 103 Jahre später, also am Samstag, 8. März, feiert das Iranische Kulturzentrum Rahaward diesen Ehrentag unter dem Motto „Frauen im Spannungsfeld zwischen Bildung und Beruf“.

Schon seit 2005 begeht das Iranische Kulturzentrum in Aachen den Internationalen Frauentag, seit 2007 ist die Werkstatt der Kulturen, getragen vomDiakonischen Werk, auch mit im Boot. Die weltweit größte Serviceorganisation, Soroptimist International, ist in diesem Jahr erstmals dabei. Weitere Partner sind das International Office der RWTH und das Gleichstellungsbüro der Stadt Aachen. „Im Mittelpunkt stehen die Situationen der Frauen im Iran, in Afghanistan und in Deutschland“, sagt Fariba. Zusammen mit Farahnaz Mohamadi und Anahid Younessi leitet sie das Rahaward-Zentrum.

Am Weltfrauentag sollen in der David-Hansemann-Schule, Sandkaulstraße 12, ab 17 Uhr „Bildung als Menschenrecht“ und „Visionen 2050“ debattiert werden. Das Grußwort wird Bürgermeisterin Hilde Scheidt halten. Für die Podiumsdiskussionen haben die Veranstalter vier starke Frauen eingeladen: SPD-Landtagsabgeordnete und Vorsitzende des Ausschusses für Frauen, Gleichstellung und Emanzipation, Daniela Jansen, Jaleh Lackner-Gohari aus Wien, die unter anderem das Netzwerk „Frauen ohne Grenzen“ mitinitiiert hat, und Karla Schefter, eine Aktivistin, die 1989 das Krankenhaus Chak-E-Wardak in Afghanistan mitgegründet hat. Die vierte Referentin Firouzeh Saber leitet eine Arbeitsplatzbeschaffungsstiftung für Frauen im Iran. Marion Moss, ehemalige Gleichstellungsbeauftragte der RWTH, übernimmt die Moderation. Einen Mann auf der Bühne gibt‘s auch. Der Tänzer Shahrokh Moshkin Ghalam kommt aus Paris nach Aachen, um mit modernem Tanz zu begeistern, kündigt Fariba Ghorashi an.

Auch Männer anlocken

„Wir wollen die Menschen anlocken, sich mit dem Thema zu beschäftigen“, sagt Monika Mattner. „Auch Männer“, betont sie. Denn in anderen Ländern wie etwa der Türkei hat der Frauentag einen ganz anderen Stellenwert als in Deutschland. „Das ist ein Tag, den die Männer für die Frauen freihalten“, erklärt Heike Keßler-Wiertz von der Werkstatt der Kulturen.

„Im Iran sind die Frauen vor allem sehr durch die Gesetze benachteiligt. Gesellschaftliche Hindernisse wie Tradition oder Familie spielen eine geringere Rolle, sind aber auch nicht ausgeschlossen“, erklärt Gorashi, die 1985 zum Studium aus dem Iran nach Deutschland kam. Beispiele sind etwa der gesetzliche Ausschluss des Richterinnenberufs für Frauen oder das Verbot für Frauen, spezielle Studienfächer zu wählen. „In Afghanistan dürfen Mädchen nicht automatisch zur Schule gehen, deswegen ist dort die Analphabetenrate sehr hoch“, berichtet Keßler-Wiertz. „In Afghanistan sind die gesellschaftlichen Hindernisse aber noch viel höher als die gesetzlichen“, fügt Ghorashi hinzu.

Und in Deutschland? Da stehe vor allem die gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Zentrum, so Mattner. Der nächste „Equal Pay Day“ in Deutschland findet übrigens am Freitag, 21. März, statt. Der Eintritt beträgt fünf Euro, Kinder unter zwölf Jahren sind frei.

von Lee Beck

Quelle: AN/AZ