Rundschreiben zum Anlass des 16. Jahrestags der politischen Morde vom Herbst 1998 im Iran

Es ist mir bewusst, dass die Bemühungen um Aufklärung und Gerechtigkeit für die Opfer der politischen Verbrechen in Iran, einen kontinuierlichen Einsatz durch die Zivilgesellschaft erfordern und nicht auf Gedenktage beschränkt bleiben können.

 

Die politischen Morde im Herbst 98  jähren sich in diesem Jahr zum 16. Mal und auch in diesem Jahr werde ich aus diesem Anlass nach Teheran reisen, um meinen Eltern, Parvaneh und Dariush Forouhar, zu gedenken. 

Ich schreibe Ihnen, um Sie vor meiner Abreise um Ihre Solidarität und Unterstützung beim Gedenken an die Opfer und bei der Aufklärung dieses politischen Verbrechens, dem Parvaneh und Dariush Forouhar, führende oppositionelle Politiker, Mohammad Mokhtari und Mohammad Djafar Pouyandeh, Mitglieder des Schriftstellerverbandes, Madjid Sharif und Piruz Dawani, politische Aktivisten und der Dichter Hamid Hadjizadeh, zusammen mit seinem zehnjährigen Sohn Karoun, zum Opfer gefallen sind, zu bitten.

Bereits vor diesem schrecklichen Herbst wurden Dissidenten, sowohl innerhalb als auch außerhalb Irans, Opfer der organisierten staatlichen Morde, die eines zum Ziel hatten, nämlich den wieder zum Leben erwachten Widerstand innerhalb der iranischen Zivilgesellschaft niederzuschlagen; ein immer wiederkehrendes Muster der Brutalität, das das Leben und den Willen der Menschen zu einem freiheitlichen Leben in den Bann des Schreckens stellen sollte und das in der iranischen Geschichte eine lange blutige Spur hinterlassen hat.  

Schon kurz nach diesen Verbrechen im Herbst 98 gestanden staatliche Stellen, unter massivem Druck der Öffentlichkeit, die Verwicklung des Geheimdienstes der Islamischen Republik, offiziell ein. Neben dem Entsetzen über diese Verlautbarung, keimte auch die Hoffnung auf, dass der systematische Machtmissbrauch durch die Staatsgewalt aufgeklärt, die verantwortlichen Personen zur Rechenschaft gezogen und diesen Machenschaften ein Ende gesetzt wird. 

Die Hoffnung verflog jedoch schon bald, nachdem der Justizapparat ganz offensichtlich eine Taktik der Vertuschung und Rechtsbeugung betrieb. Es folgten sogar Repressalien gegen Menschen, die sich für die Aufklärung der politischen Verbrechen einsetzten. 

Nun sind 16 Jahre seit dieser Zeit vergangen; es waren Jahre des Gedenkens und des Berichtens und Jahre des Beharrens auf  Aufklärung und Einleitung eines gerechten Prozesses.

Auch in diesem Jahr werde ich diesen Weg weiter beschreiten und ich setze dabei weiterhin auf Ihre Unterstützung. Der Todestag meiner Eltern am 22. November ist ein Anlass um die Rechte von Andersdenkenden  im Iran einzufordern. Sollten Sie an diesem Tag in Teheran sein, bitte ich Sie zum Haus meiner Eltern zu kommen und dem Gedenken beizuwohnen.

Es ist mir bewusst, dass die Bemühungen um Aufklärung und Gerechtigkeit für die Opfer der politischen Verbrechen in Iran, einen kontinuierlichen Einsatz durch die Zivilgesellschaft erfordern und nicht auf Gedenktage beschränkt bleiben können. Solche Anlässe bieten jedoch durch ihren Symbolcharakter die Möglichkeit dem Vergessen entgegen zu wirken und die Verbundenheit der Opposition zu stärken.
 
Mit freundlichen Grüssen

Parastou Forouhar