Treffen mit Dissidentinnen: Ashton verärgert Irans Regierung

Ein Gespräch unter Frauen versetzt Irans Regime in Aufruhr. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton traf sich in Teheran mit sechs Oppositionsaktivistinnen. Das iranische Außenministerium protestiert und warnt: "Das ist für unser Verhältnis zu Europa nicht hilfreich."

Teheran - Catherine Ashton hat sich Zeit gelassen für ihren ersten Iran-Besuch: Seit 2009 amtiert die Britin als EU-Außenbeauftragte, am vergangenen Wochenende reiste sie zum ersten Mal in dieser Funktion nach Teheran.

 

Und diese Visite sorgt in der Islamischen Republik gleich für Aufsehen, denn sie sprach nicht nur mit offiziellen Vertretern wie Präsident Hassan Rohani und Außenminister Dschawad Sarif: Am Samstag traf sich Ashton in der österreichischen Botschaft mit sechs Dissidentinnen. "Ich habe mich am Internationalen Frauentag mit Aktivistinnen getroffen und mit ihnen über ihre Situation gesprochen", sagte die oberste EU-Diplomatin später.

Das Außenministerium in Teheran reagierte empört: "Dadurch wird das Misstrauen unserer Bürger gegenüber dem Westen geschürt", sagte Marsije Afcham, die Sprecherin des Ministeriums. "Das ist für unser Verhältnis zu Europa nicht hilfreich."

Tränen bei Ashton

Das Treffen sei nicht vom Außenministerium koordiniert worden. An den Gesprächen mit Ashton hätten Personen teilgenommen, die 2009 an den Unruhen nach der umstrittenen Wiederwahl von Mahmud Ahmadinedschad beteiligt waren, sagte Afcham. Das Ministerium habe der österreichischen Botschaft in Teheran eine Protestnote überreicht,

Zu den Frauen, mit denen Ashton diskutierte, gehört Narges Mohammadi. Die Menschenrechtlerin war in den vergangenen Jahren mehrfach verhaftet und zu Gefängnisstrafen verurteilt worden. Ebenso traf sich Ashton mit Gohar Eschghi, deren Sohn Sattar Beheschti, in Haft ums Leben kam.

Mohammadi sagte dem "Guardian", dass Ashton bei der Begegnung mit Eschghi geweint habe. "Sie sagte, dass sie als Mutter nachempfinden kann, was es heißt, ein Kind zu verlieren", so Mohammadi. Laut ihren Angaben sitzen derzeit mindestens 14 Frauenrechtsaktivistinnen im Teheraner Evin-Gefängnis hinter Gittern.

Spiegel-online, syd/dpa